TOPIC: pacific daybreak - broken nights
"Schwer und staubig arbeitet sich die Maschine durch die Münsterländer Tiefebene. Es ist harte Arbeit; dieses Aufgebot an brüchiger, steiniger Rocksoße muss erst einmal in Bewegung kommen! Doch wenn es erst rennt, gräbt Mojo Jazz Mob mit dem neusten Werk bis aufs Fundament.

Hätte man Fans der vier Jungs vor dem Release gefragt, wie sie sich das neue Werk von Mojo Jazz Mob wünschen würden, hätten die meisten wohl genau das versucht zu beschreiben, was „Pacific Daybreak – Broken Nights“ ausmacht. Zwölf Tracks voll von geballter Power aus dem bekannten Stoner Rock Tiegel. Nicht mehr, aber auf keinen Fall weniger. Seit ca. zehn Jahren stöbert die Mannschaft schon in den Gehörgängen der regionalen und nationalen Rockszene und beweist mit dieser Scheibe erneut, dass sie noch nicht müde sind. Sicherlich abgeklärter und musikalisch reifer, denn zwischen den ersten Samplern und diesem Werk liegen Welten. Doch an Energie scheint es bis heute nicht zu fehlen. Was der Hörer hier geboten bekommt, ist ein technisch einwandfreies Album mit gut akzentuierten Höhepunkten und Stimmungsverläufen. Ganz klar ein Silberling zum ungestörten Durchhören.
Der Sound überzeugt sicherlich auch den einen oder anderen Kritiker, auch wenn er ein wenig entschärfter klingt, als auf einem Live Gig. Schade eigentlich, bedenkt man, dass Mojo Jazz Mob gerade durch ihre Live Shows zu ihrer Größe herangewachsen sind. Sicherlich ist dies aber auch ein Kompromiss aus Ambiente und allgemeiner Plattentauglichkeit, was damit dann doch zu verkraften ist. Es ist einfach schnell herauszuhören, dass man sich mittlerweile auf gutem Niveau bewegt und nicht mehr einfach den Gargensound einer kleinen Dorfband emittieren möchte, die zum ersten Mal eine Lowvib Jamsession fährt. Gut so, denn das sind sie auch einfach nicht mehr.

Für mich ist in erster Linie die Stimmung des Albums hervorzuheben. Man beginnt in recht bekannter Stoner- Manier als eine Art Reviermarkierung. Dumpf, träge treibend und knochentrocken. Nach und nach wird es allerdings chaotischer und stürmischer. Aus langsamem Kopfnicken wird zunehmend ein physischer Ausbruch, der hoffentlich auch in Zukunft live gut umgesetzt wird. Leider Gottes erinnert dieses erste Drittel allerdings für meine Verhältnisse zu sehr an ein Queens of the Stone Age -Image und hat zu wenig Ideen, die man sofort mit Mojo Jazz Mob verbinden könnte. Wirklich schade, denn somit kennt man es einfach schon und das auch noch besser. Trotzdem würde ich den Einstieg in seiner Gesamtheit als gelungen klassifizieren.

Dann wird es ein wenig ruhiger. Das Tempo wird rausgenommen und es ist mehr Platz für die Psychedelic-Ecke. Hier entwickelt sich ein guter Anfang schließlich zu einem hervorragenden Bauchteil. Songs greifen mehr ineinander und verschmelzen reibungslos zu einem tadellosen Ganzen. Der Song „Rigor Mortis“ ist dafür ein gutes Bespiel und erhält auf meiner selten angewandten Suizidscala einen mittleren Platz. Wirklich beeindruckend!
Unbemerkt steuern wir somit in die Endphase von „Pacific Daybreak – Broken Nights“ und werden auf gekonnte Weise wieder ins Leben geschossen. Hier wird nochmals angezogen, um den Zuhörer schließlich mit WARP 9 in die Galaxie zu entlassen. Dieser Streich ist absolut gelungen und lässt tief blicken. Doch sollte noch fairerweise erwähnt werden, dass hier das Rad nicht neu erfunden, sondern ein interessantes Rock Gerüst genutzt wird um es mit dem unnachahmlichen Sound von Mojo Jazz Mob zu bestücken. Jemand der vorher damit nichts anfangen konnte wird dadurch sicher auch nicht zum Fan. Aber ein Freund des tiefen Fuzz'n'Buzz kann hier sicher nichts falsch machen.

Somit verweise ich auf dieses hervorragende Genrealbum mit 4 von 5 Gitarren. Dankeschön."


| osnametal.de | 03/2008
| by Seba Stone

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