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"Tendenz: Es muss nicht immer Kalifornien oder Skandinavien sein, will man gepflegten Stoner genießen. Mojo Jazz Mob aus Westfalen zeigen mit ihrer EP WESTFALENWALZE, dass ein Stonerherz auch in Deutschland freudig und kraftvoll schlagen kann und der längst erkalteten Szene wieder neues Leben einhauchen könnte.
Review: Wirtschaftswunder Deutschland, lange ist es her. Vollbeschäftigung, die ersten Gastarbeiter müssen Engpässe schließen. Überall in Deutschland brummt die Industrie. VW-Käfer rollen vom Fließband und über die neuen Autobahnen Richtung Süden, mit Ziel Italien. Alles das ist nur möglich, weil die Eisenhütten im Ruhrpott produzieren, was das Zeug hält und die Kumpels aus immer tiefer werdenden Schächten das schwarze Gold, die Steinkohle, ans Tageslicht befördern. Heute sind die meisten Zechen geschlossen. Eisen wird in China billiger verhüttet, Steinkohle aus mehreren Tausend Metern Tiefe ist zu teuer. Eine ganze Region steht vor dem Aus und prägt seine Bewohner.
Wen wundert es, dass Mojo Jazz Mob passend zu den harten Zeiten auch harte Musik spielen? Niemanden. Die aus Ahlen stammenden Rocker wollten den fehlenden Bergbau einfach mit ihren harten Klängen kompensieren und was wäre da schon besser geeignet, als Stoner Rock. Zwei Jahre nach ihrem Debüt-Album PACIFIC DAYBREAK - BROKEN NIGHTS ist es nun so weit und das Quintett aus Westfalen setzen mit ihrer EP WESTFALENWALZE eine weitere musikalische Duftmarke.
Nach kurzen Sprecher-Intro legt sich der Opener "Rapid Cycler" schon mal mächtig ins Zeug. Treibende Beats und ein zwingender Groove schiebt den Song mächtig nach vorne. Die tiefen Gitarren schielen sofort auf die Bauchgegend, die mit dezenten Blast-Beats zusätzlichen Druck bekommt. Auch wenn man Ardian Busens Vocals nicht sofort mit eigenem Gegröle unterstützen kann, so zuckt doch schnell jede Gliedmaße im Takt.
Ähnlich flott marschiert "Horned winged Creatures from Hell" mit dichten Klangteppichen nach vorne. Interessant hier der Refrain mit Retro-Orgelklängen, der den Song sofort zurück in die guten alten 70er Jahre beamt und einen Hauch von Düsternis hinterlässt. Auch wenn man sich hier genügend Zeit für seinen Instrumental-Part nimmt, so geht doch nie die Struktur trotz Psychedelic-Flair verloren.
"Chemical Pilot" setzt konsequent der Weg der beiden Vorgänger fort, verzichtet etwas auf allzu walzenden Groove und punktet mehr mit zwingendem Rhythmus und melodischen Gitarren.
"Samba" hat gänzlich wenig mit seinem südamerikanischen Namensvetter zu tun. Vielmehr glänzt er mit durchaus abwechslungsreichen Gesangslinien, die diesmal überwiegend für die harmonische Gefälligkeit sorgen. Obwohl, mit etwas Phantasie entdeckt man während des Gitarren-/Drum-Intermezzos durchaus ein gewisses Santana-Feeling, auch wenn man kaum von "Samba" sprechen sollte.
Den temporeichen Schlusspunkt setzt "27,5°C (Jaqueline's Song)" der einmal mehr die Stärken der Band heraus kehrt. Dichte gitarrendominierte Klangteppiche, treibende Rhythmen und eine mitreißende Gesangslinie beherrschen jeden Song und hinterlassen einen mehr als beeindruckenden Eindruck beim Zuhörer. Wer also "Stoner" allzu wörtlich nimmt und mehr am Kiffen, als am Zuhören interessiert ist, der hat die Rechnung ohne Mojo Jazz Mob gemacht - hier ist Feiern angesagt. Hinterher bleibt immer noch Zeit fürs Zudröhnen, wenn es denn unbedingt sein muss...

Fazit: Erfreulicherweise hat sich das Quintett nur einige wohlschmeckende Krumen aus dem Stoner-Topf heraus gepickt. Gänzlich verzichtet wurde auf ausschweifende improvisierte und strukturlose Instrumental-Passagen. Mojo Jazz Mob erscheinen deshalb deutlich kompakter als Kyuss, melodischer als Queens of the Stone Age und flotter als Spiritual Beggars. Sie haben ihren ganz eigenen Stil gefunden, der sofort mitreißt und zündet. Wer bisher bei Stoner immer die Nase gerümpft hat, der sollte sich diese EP unbedingt reinziehen und von den WESTFALEN_WALZE(n) lassen - vielleicht ändert er doch noch seine Meinung.
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| hardharderheavy.de | 16/08/2009 | by JG

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